Obwohl nun schon seit einigen Jahren in Schweden lebend, sind wir immer wieder stark überrascht, welche neuen Entdeckungen und Erkenntnisse man macht. Und welche eigentlich schon vorhandenen Einsichten immer wieder bestätigt werden, und man dennoch jedes Mal aufs Neue überrascht ist. Zum Beispiel zu den Themen Einsamkeit und Wildnisfeeling. Wir wissen ja zu gut, dass man schon hier im noch recht zivilisierten und gut angeschlossenen Westschweden zwischen Göteborg und Oslo echte Einsamkeit erleben kann. Dennoch war der Fund, den wir vor kurzem machen konnten, wieder ein echter Augenöffner. In diesem Fall ein mittelgroßes Seengebiet, ziemlich genau eine Stunde von unserem Treeline Studio entfernt. Verschnörkelte Ufer, Buchten, Landzungen und Inseln. Beinahe nahtlos umgeben von einem dichtem Waldgürtel. Felsige Uferpartien, aber auch Schilfgürtel- und Seerosengebiete. Zudem nur ganz wenige Häuser und Höfe oder Steganlagen an den Ufern. Und nur ganz vereinzelt Boote auf dem Wasser.

Die Ufer sind häufig felsig - typisch Westschweden!

Ich präsentiere: Södra und Meddelsta Kornsjön – das perfekte Revier, um ein paar Tage in ungestörter Wasserlandschaft zu entspannen, und trotzdem innerhalb Schwedens nicht weit reisen zu müssen!

Von der Westküstenautobahn E6 (oder unserem Treeline Studio) erreicht ihr das Seengebiet über eine beschauliche Autofahrt durch die Waldlandschaft Dalslands, erst auf gut ausgebauten Asphaltstraßen, dann auf ebenso gut fahrbaren Schotterstraßen. Die einzige Herausforderung war es, eine Stelle zu finden, Boot und Ausrüstung ins Wasser zu bekommen, und dann das Auto für paar Tage guten Gewissens stehen zu lassen (gleichzeitig aber vielleicht der Grund, warum das Gebiet von anderen Outdoor Urlaubern so wenig frequentiert ist). Hier der Tipp: Zwischen dem Mittleren und Südlichen Kornsjön führt das Waldsträßchen O 964 über eine Brücke. Direkt auf der Westseite der Brücke, am Ufer des Mellersta Kornsjön, gibt es bisschen versteckt eine alte Bootsrampe. Mittlerweile zwar für Bootsanhänger durch große Steine blockiert, bekommt man ein Kanu hier aber ohne Proleme und sehr elegant in Wasser. Nach Abladung seiner Ausrüstung parkt man sein Auto dann auf der Ostseite der Brücke. Hier gibt es am Straßenrand recht großzügig Platz, um sein Fahrzeug abstellen zu können.

Die Seenlandschaft ist äußerst abwechslungsreich und natürlich besonders im Abendlicht ein Traum zu erleben

Wir selber waren auf unserer dreitägigen Tour nur auf dem Södra Kornsjön unterwegs – und haben es paddeltechnisch sehr gemütlich angehen lassen und deswegen bei Weitem nicht den ganzen See erkundet. Fokus für uns war gemütliches Lagerleben auf einer Insel, ein wenig Paddeln und auch ein bisschen Angeln. Zu diesem Stichwort: Fisch gibt es in diesem See definitiv. Wie überall muss man auch hier ein bisschen wissen was man macht – dann sollte der Fang von paar Hechten oder Barschen aber kein größeren Problem sein. Kurze Schilderung hierzu: Bei einer kleinen Schilfbank bekam ich bei genau sechs Würfen (die Drift im Wind war stark und ich hatte kaum Zeit für meine Würfe) mit einem kleineren Gummifisch 5 mal Hechtkontakt – das war wirklich beeindruckend. Und auch beim Schleppen hat es geklappt. Also unbedingt eine Angel und paar Hechtköder mitnehmen! Wenn dann noch so vorgegangen wird wie in meinem Artikel über Hechtangeln für Einsteiger beschrieben, kann kaum was schiefgehen J Angelkarten gibt es online über Ifiske zu kaufen. Dies sollte man aber machen, bevor man in das Gebiet reinfährt: Das Mobilfunknetz ist mitunter schlecht und man kann nicht unbedingt davon ausgehen, dass man – einmal am See angekommen, noch die App laden kann um dann die Karte zu kaufen.

Das Kind wuselt rum, der Vater entspannt in der Hängematte. Sommerfreuden.

Zu beachten ist außerdem, dass die relative Unbekanntheit des Reviers und touristisch augenscheinlich recht geringen Bedeutsamkeit zur Folge hat, dass es keine Infrastruktur für Paddler gibt, die man anderswo vorfindet. Also insbesondere Windschütze, Feuerstellen mit Feuerholz und dergleichen. Seinen Lagerplatz muss man eigenständig suchen, und mitunter muss man sich an den felsigen Ufern ein wenig in die Büsche schlagen, um einen geraden Platz für sein Zelt zu finden. Für echte Wildnis Enthusiasten ist dies natürlich eher ein dicker Pluspunkt, als Nachteil. In diesem Zusammenhang bitte unbedingt die Bestimmungen des schwedischen Jedermannsrecht beachten!

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Raphael Marzusch

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