Die typischen schwedischen Fjelllandschaften – karg, weit, hügelig bis bergig mit einer Menge Wasser zwischendrin – sind das, was mich an Schweden in jungen Jahren als erstes fasziniert hat. Ein typischer Kandidat ist beispielsweite die Femundsmarka. Wenn auch für schwedische Verhältnisse recht weit südlich gelegen, ist diese von Munkedal immer noch 500 Kilometer weit entfernt. Zu weit für eine kleine Zelttour mit den Kindern an einem Wochenende. Gut, dass es eine Art Fjell ganz in der Nähe gibt. Ein Naturreservat, das natürlich nicht an eine echte Fjelllandschaft herankommt, charakterlich und mit ein wenig Phantasie aber durchaus an diese wilden Gegenden erinnert (bewiesen unter anderem durch die südlichste Verbreitung der Baumarten Fjellbirke und Grau-Erle). Das Kynnefjäll.

Höher gelegen als die küstennahe Umgebung, eher karge Böden, viele Kiefern und Blaubären auf felsigem Grund, klare Gewässer und das Gefühl, ganz weit weg zu sein – und unendliche Wälder vor sich zu haben. Durch das Kynnefjäll kann man zwar nicht mehrere Wochen ziehen, mehrere Tage kann man sich hier aber sehr gut aufhalten. Insbesondere, wenn man mit Kindern eher kleinere Etappen macht – oder – was genau so gut geht – nur auf einen Tagesausflug aus ist.
Die wandertechnische Infrastruktur ist dabei ganz ausgezeichnet. Es gibt ein kleines, aber feines Netz an gut markierten Wanderwegen, und einige tolle Windschütze (niedrige, an einer Seite offene Holzunterstände, in denen man prima schlafen kann) samt Feuerstellen und sogar eine Hütte mit echten Betten (Vaktarekullen, 12 Schlafplätzen, eine Übernachtung ist gratis (!) – wo gibt’s das noch). Zelten geht natürlich genauso gut. Hier ist nur darauf zu achten, dass dies – anders als eigentlich überall sonst in Schweden – nur an den Windschutzstellen gestattet ist. Wir sind ja in einem Naturreservat.

Für Westküstenurlauber, die neben der grandiosen Küstennatur auch einmal eine ebenso grandiose Waldlandschaft erleben möchten, werden hier sehr glücklich. Man geht über kurvige Pfade durch eine herrliche Waldlandschaft, sammelt hier und da einige Blaubeeren (es gibt viele!) und kommt dabei immer wieder an Wasserflächen vorbei. Da bietet es sich natürlich an, neben der obligatorischen Fika (Picknick) eine Angel dabei zu haben. Ich habe es selbst noch nicht getestet, aber mir wurde glaubwürdig berichtet, dass insbesondere der Lilla Holmevatten richtig gute (und fangbare) Barsche beheimatet. Testen – einfach mal paar Würfe vom Ufer mit einem Spinner Größe 3! Aber auf die Angelkarte/-erlaubnis achten.

Neben er Fischwelt soll insbesondere die Waldvogelwelt erwähnenswert sein. Die beeindruckenden Auerhähne soll es hier viele geben – ich selbst hatte schon eine eindrückliche Begegnung.
Achso: Parken am Parkplatz Kasebo. Für Camper, also die Autorisierten, gibt es hier sogar die Möglichkeit der Toiletten Entleerung. Und die Anfahrt aus Munkedal ist bereits ein landschaftliches Erlebnis für sich!
P.S.: Übrigens geht der bekannte, 350 Kilometer lange Bohusleden (von den Außenbezirken Göteborgs bis nach Strömstad an der norwegischen Grenze) direkt durch das Kynnefjäll. Wer wandernden Fußes diese Küstenlandschaft einmal so richtig intensiv erleben möchte, ist hier bestens aufgehoben.
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