Direkt vorweg: Der westschwedische Landstrich Bohuslän ist anders. Anders als die allermeisten Meerforellenreviere, die man im Ostseeraum findet – keine flache, mit Glück leicht hügelige Landschaft – sondern die reine, wilde Vielfalt.

Hier gibt es Gegenden, die mich an Vancouver Island erinnern, mit hügeligen Inseln, die bewaldet ins Meer fallen (Insel Orust und im Inneren der Fjorde (z.B. Gullmarnsfjord)). Schottisch anmutende Abschnitte, mit ins offene Meer stürzenden Felsufern und scharfer Brandung. An die Côte d´Azur erinnernde Bereiche, mit sandigen, kristallklaren Badebuchten zwischen schroffen Klippen. Und Gegenden, die so aussehen, wie man sich Bohuslän halt vorstellt: Schären und Holme, und darauf kleine Holzhäuser und Ortschaften. Und überall zwischen drin im kühlen Nass: Meerforellen!

In der Ostsee würde man auf solch einem Bildausschnitt 100 Meter Strand sehen - hier sind es mehrere hundert Meter Küstenlinie mit unzähligen Spots.

Man muss sich die Landschaft also als außerordentlich vielseitig und vielschichtig vorstellen. Geprägt von langen Fjorden und tausenden Inseln und Inselchen, ist der Landschaftsfluss häufig unterbrochen und generiert dadurch eine große Vielfalt.

Diese Kombination macht Bohuslän für Meerforellen Angler zum eher exotischen Reiseziel (Ostseeangler erleben hier ob der Angelei teilweise einen Naturschock), und für Touristen im Allgemeinen zu einer der beliebtesten Regionen Schwedens. Im Sommer (ab Ende Juni)  ist hier ordentlich was los – glücklicherweise jedoch konzentriert an wenigen Orten, und vor allen Dingen in den charmanten Hafenstädtchen (Fjällbaka, Hamburgssund, Lysekil, Hunnebostrand, Smögen, Grebbestad, Strömstad etc.). Als Angler findet man immer Ecken, wo man völlig ungestört ist – aber auch relativ schnell die perfekten Hafenrestaurants für den Lunch oder Tagesabschluss.

Morgenstimmung irgendwo zwischen Uddevalla und Munkedal.

So wie das vorgestellte Revier Veddö im Kleinen, ist die gesamte Küste hier im Großen: Extrem abwechslungsreich. Eigentlich gibt es hier alles an Ufertypen, die man sich in nördlichen Gefilden so vorstellen kann: Sandstrände, Blockstrände, Felsufer samt verschachtelter Inseln und Holme, Flussmündungen, Waldufer, etc. Und das alles munter in alle Himmelsrichtungen verteilt.

Die Charakteristik der Angelei lässt sich ganz grob gemäß zweier Gebietsformen aufteilen: Die Fjordangelei und die Küstenangelei. Je nachdem wo man fischt, sind die Ufer dann mehr oder weniger von Sandstränden, Blockstränden, Felsufern oder Inseln und Holmen geprägt. Und das Schöne: an einem Tag lassen sich ohne Probleme direkt einige dieser ganz unterschiedlichen Stellen befischen. Man beginnt den Morgen an einem ruhigeren Fjordufer, fährt dann über den Tag 10 Kilometer raus an die offene Küste und abends wieder zurück ins beschauliche Hinterland an einen Fjord.

Kurzer Pflanzengürtel vor tiefen Wasser. Hier geht was.

Maximale Vielseitigkeit auf minimalen Raum – Jede Ecke bietet neue Chancen

Um verschiedene Strukturen abzufischen, muss man aber gar nicht ein Fahrzeug bemühen. Im Grunde liegt meist alles sehr nah beieinander. Klassische Meerforellenstrände mit eher mäßig abfallenden Ufern schließen nahtlos an steil abfallende Felsenpartien an. Kleine strömungsvolle Verengungen zwischen Land und Inselchen liegen neben Bootsanlegern. Die ins Freiwasser abfallende Abbruchkante liegt an der Öffnung zu einer kleinen Bucht.

In aller Regel muss man nicht einmal umständlich mit dem Auto den Spot wechseln, um vielleicht an tieferes Wasser oder eine andere Strömungssituation zu kommen. Man kraxelt 20 Meter, geht um eine Felsnase, und schon kann die Angelei völlig anders aussehen: Plötzlich hat man den Wind im Gesicht statt im Rücken, Wasser ist in Bewegung und leicht angetrübt, und statt über flachen Sandstrand angelt man über einem steinigen, felsigen und vielleicht vier Meter tiefen Wasser. In wenigen Momenten angelt man an einem völlig neuen Spot! Und kann diesen dann mit ganz frischer Motivation und Zuversicht angehen.

Meerforellen können abends häufig beim Steigen nach Insekten beobachtet werden. Dann funktionieren auch schonmal Trockenfliegen.

Ich denke, diese Vielseitigkeit zeichnet die Angelei hier aus – und kann dahingehend von keinem anderen Landstrich in Europa getoppt werden.

Einstellen muss man sich als Westeuropäischer Meerforellenangler auf die folgenden Sachen:

  • Mitunter anspruchsvolles Waten über blockigen und algenbehafteten Grund und kleinere Kletterpartien (nur wenn man will – es gibt genügend komfortabel befischbare Stellen)
  • Gezeiten, die die Angelei beeinflussen: der Tidenhub liegt bei ca. 30 cm zwischen Hoch- und Niedrigwasser. Die Fische können hierdrauf mehr reagieren als zum Beispiel in Revieren der Ostsee.
  • Viele Fische – aber nicht immer die Grössten. Das Mindestmass liegt bei 45 cm und man muss sich mitunter bisschen durchfischen, bis man eine Maßige hat. Ich würde in etwa von einem Verhältnis von 1:10 ausgehen. Dafür kann man die 10 bei guten Bedingungen ohne Weiteres am Tag fangen. Und größere Fische werden auch immer üblicher.
  • Sehr gute Sommerfischerei aufgrund der Strömungskanten im Uferbereich und des in Wurfdistanz liegenden tiefen, kälteren Wassers
  • Kaltes Wasser noch im April: Aufgrund der nördlichen Lage finden die frühen Saisontage häufig in richtig kaltem Wasser statt. Hier werden dann zumeist flache, dunkle Winterbuchten in Südausrichtung befischt, häufig in Fjordnähe, wo es solche Stellen tendenziell eher gibt, als im offeneren Bereich.

Fischereimäßig kann man es im April, Mai, in den Juni hinein und im September ziemlich ähnlich angehen, wie woanders auf Meerforelle auch. Das Angeln im Juli und August bereitet die Besonderheit des Fischens an mitunter sehr tiefen Bereichen bereit. Hier als Fliegenfischer unbedingt schwere Sinkschnüre (durchaus bis sink 7) und lange, schmale Fliegen dabei haben (sehr gut ist zum Beispiel der Samsö Killer)! Diese high-speed über tiefen Wasser eingestrippt, bringt Fisch!

Abschließend noch eine ganz entscheidende Hinweis: Die Meerforellensaison in Bohuslän beginnt am 1. April und endet am 30. September. Die klassische Herbst und Wintersaison findet bei uns also nicht statt. Norwegen, ein Land ohne Meerforellen Schonzeit, ist aber nicht weit entfernt und grenzt direkt an Bohuslän. Nach ca. einer Stunde Autofahrt von Munkedal ist man in einem Revier, in dem man ganzjährig auf Meerforelle fischen darf.

Neben den auf der Hand liegenden Nachteilen für die hiesigen Mefo-Petrijünger, bleibt der Vorteil, dass die verbliebenen 6 Monate Angelzeit umso herausragender sind.

Gut genährter Aufsteiger kurz vor der Schonzeit Ende September.

Mehr tolle Artikel lesen

Bohuslän & Dalsland: Dein Guide für Westschweden Entdecke Granite & Green – dein Experten-Blog für Outdoor-Abenteuer in Schweden. Von Seekajak-Touren im Schärengarten von Bohuslän bis zum Kanuwandern auf den einsamen Waldseen Dalslands. Wir bieten Inspiration zum Wandern, Pilzesammeln und professionelle Tipps zum Angeln auf Meerforelle, Lachs und Hecht. Erlebe die perfekte Verbindung aus wilder Küste und tiefen Wäldern.

Hast du Fragen? Schreib mir einfach!


Raphael Marzusch

Telefon: +49 (0) 15234340062
E-Mail: info@graniteandgreen.com

Dein Rückzugsort zwischen Schären und Wildnis. Erlebe modernes schwedisches Design als perfekten Ausgangspunkt für Outdoor-Abenteuer wie Angeln, Wandern und Paddeln. Direkt bei Granite & Green.

Die Cabin entdecken