Bohuslän und Dalsland sind beides für sich schwedische Regionen, die in Bezug auf Ihre Bekanntheit im Ausland nicht unbedingt als Schwergewichte der schwedischen Landschaften durchgehen. Man kennt Småland (wegen Astrid Lindgren), Lappland (wegen Rentieren und Nordlichtern), vielleicht noch Dalarna (wegen der Holzpferde) – aber dann wird es meistens schon ein wenig dünner.
Bei Schwedenliebhabern tauchen diese beiden Regionen aber sicherlich ganz oben auf der Bekanntheitsliste auf. Und bei den Schweden selber ist zumindest Bohuslän eine sehr, sehr große Nummer. Der Slogan „Västkust är Bästkust“ wird von Stockholmern wahrscheinlich nicht ganz uneingeschränkt geteilt. Dennoch haben Etliche aus der fernen Hauptstadt ihre Sommerresidenz in den hiesigen Küstenorten – verräterisch!

Bohuslän ist eine sehr vielseitige Küstenlandschaft am Skagerrak. Geprägt ist die Landschaft meerseitig von tausenden Inseln und Schären, Felsenküsten und einigen tiefen und langen Fjorden. Dazu natürlich die vielen kleinen, mitunter sehr berühmten Küstenorte (Stichwort Smögen, Marstrand, Grebbestad, Strömstad etc.). Eine sehr vielseitige Küstenlandschaft, die etliche Nuancen aufweist. Teilweise weiche Felsenlandschaften, die dann abrupt ins Meer laufen, teilweise hügelige Wälder, die direkt bis ans Wasser gehen. Und zig Spielarten dazwischen.

Das Landesinnere teile ich für mich in zwei Teile ein: Zum einen der Küstennahe Bereich bis ca. 15 Kilometer ins Landesinnere, und zum anderen das Hinterland. Besonders ist hier für mich vor allen Dingen der küstennahe Bereich: Dieser ist waldreich, mitunter aber auch durch kleinere Äcker und Wiesen geprägt. Dazu hügelig und gesprenkelt mit lauter Felswänden und scheinbar willkürlich in der Landschaft verteilte Felskegeln. Alles ist sehr kleingliedrig. Die Straßen sind kurvig, gehen hoch und runter und man schaukelt sich auf einer Autofahrt wunderbar in die Landschaft ein. Die Prägung der Landschaft durch die Felsenansammlungen äußert sich auch in der Bekanntheit der Gegend für´s Klettern: Bohuslän gilt als das Gebiet im Norden für Felsklettern schlechthin.

Das Hinterland ist dann ein wenig gesetzter. Es geht nicht mehr ganz so vielseitig zu. Die Landstriche sind eher weiter und nicht so vielen Veränderungen unterworfen. Es herrschen Wälder vor – die aber mitunter echte Highlights sind. So gibt es einige Naturreservate, die nicht umsonst die Bezeichnung „Fjell“ im Namen haben (Kynnefjäll, Herrestadsfjället): Der Name rührt noch aus der Zeit, als Bohuslän unter norwegischer Herrschaft stand und die Besatzer glaubten, in der Landschaft norwegische, karge Hochebenen zu erkennen. Und durchaus, ich kann diese Verbindung nachvollziehen: Flechten, Moose, im losen Verbund stehende Birken und Kiefern, dazu unbewachsene Felsen und jede Menge kleine, klare Seen können durchaus an norwegische Gebirgslandschaften erinnern.

Dalsland – Schweden in Miniatur
Dalsland, bezeichnet auch als Schweden in Miniatur, ist eine meiner Sehnsuchtslandschaften. Wenn man den von Landwirtschaft dominierten, eher unspektakulären Süd-Osten einmal ausklammert, ist der Rest dieses Landstrichs umso schöner. Zwischen dem Westufer des Vänerns (Schwedens mit Abstand größter See, 10 mal grösser als der Bodensee) und dem Küstengebiet Bohuslän gelegen, gibt es hier alles, was man mit Schweden verbindet: Sehr viel Wasser, viel Baum – und kaum Mensch. Unter anderem manifestiert in Süd-Schwedens größtem Wildnisgebiet, dem Kroppefjell. Wirtschaftlich gilt die Region als ziemlich abgeschlagen, aber das muss den Naturerleber nicht weiter kümmern. Die Landschaft ist herrlich grün, leicht profiliert und mit hunderten von Seen durchzogen. Zwischen den wenigen nennenswerten Ortschaften – wie Ed, Bengtsfors und Billingsfors – passiert außer Landschaft nicht viel, und das ist auch gut so.

Leben auf der Grenze
Wir, die in Munkedal leben, leben ziemlich genau auf der Grenze zwischen diesen Regionen. Unser Haus liegt wenige Kilometer von der Grenze entfernt – zwar noch in Bohuslän, aber mit einem Fuß schon in Dalsland.
Die Ecke hat nicht nur landschaftlich viel zu bieten, sondern ist auch kulturell interessant: Richtung Westen Bohuslän, mit einer Geschichte geprägt von dem Leben auf See (Bohuslän hatte lange die höchste Witwen- und Waisenquote Schwedens: Fischfang vor der felsigen Küste ohne moderne Navigation war im wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlich), in den Granitsteinbrüchen und auf den kargen Äckern – und Richtung Ost/Nord-Ost Dalsland: Eine Waldlandschaft die über sehr lange Zeit von Holzwirtschaft geprägt war. Beeindruckender Zeuge dessen ist der Dalslandkanal. Eine spektakuläre 250 Kilometer lange Wasserstrasse quer durch die tiefen Wälder und zahlreiche lange Naturseen.

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