Es war die wahrscheinliche die zeitlosteste Zeit meines Lebens – das Corona Premierenjahr 2020. Ein neugeborenes Baby zu Hause, Elternzeit und abgeschiedenes Leben in einem Waldgebiet vor Göteborg – und Freunde zu Gast; die ebenso in Elternzeit. Eine herrliche, surreale Mischung Lebensgefühl, beigemischt wie bei so vielen mit einer Portion Ungewissheit und Sorge. Und da hinein die Erkenntnis, dass ich etwas ganz Banales und Naheliegendes, aber absolut Großartiges in meinem Leben übersehen habe – weil vermeintlich zu komplex, zu gefährlich, etc: Pilze sammeln.
Es ist ein wenig merkwürdig, dass ein altbekannter Freund aus der eigenen Heimat, Eifel, erst zu uns nach Schweden kommen musste, um mal zu besprechen, ob ich Pilzesammler sei. Wie auch immer, er könne es mir auf jeden Fall mal zeigen.

Seitdem hat sich mein Leben als Waldgänger grundsätzlich geändert, hat eine ziemlich neue Perspektive bekommen. Während der Sommer- und Herbstmonate ist mein Blick nun auf den Boden gerichtet. Fokussierte Gespräche sind kaum mehr richtig möglich. Gut deshalb, dass es meiner Frau genau so geht. Wir sind im Jagdmodus, und der macht süchtig. Wird man nämlich fündig, sieht nach konzentrierter Suche plötzlich einen Steinpilzhut am Waldboden stehen, führt Finger und Daumen am Stamm entlang ins tiefe feuchte Moos und spürt die knackige Spannung des Stammes und dreht den Pilz dann heraus, ist dies ein sensorisches Erlebnis, dass Hochgefühle auslöst. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass Pilze Suchen so kickt.

Das Schöne mit Beschäftigungen, die nur ab und zu, nicht vorhersehbar und nur in glücklichen Momenten Erfolg versprechen, wie Angeln, Fussballgucken (Tore für die eigene Mannschaften fallen ja nicht alle 5 Minuten) oder auch Pilze suchen ist ja, dass das Belohnungshormon Dopamin umso stärker zuschlägt und das Glücksgefühl entsprechend stark ist. Das bekommt selbst die süchtig machenste Socialmedia App nicht hin.
Boshuslän und hier insbesondere die Wälder Richtung Dalsland sind auf jeden Fall echte Pilzgebiete, und jedem, der im Sommer oder im Herbst in der Gegend ist und ein wenig feucht-warmes Klima mitbekommt, muss es mal probieren. Ob man nun etwas Erfahrung hat oder nicht: Es ist eine wunderschöne Aktivität mit denkbar kleiner Einstiegshürde – Ausrüstung braucht es keinerlei und jedes Waldgebiet kann potenziell richtig gute Stellen bieten. Und mit ein wenig Glück findet man in wenigen Minuten Pfifferlinge die locker für zwei Mahlzeiten reichen. Bei den richtigen Bedingungen, und wenn man in etwa weiss wo man gucken muss, ist es eher die Regel als die Ausnahme. Im Sommer gibt es bei uns auf jeden Fall immer Pilze satt.

Wenn man nun mit dieser Aktivität loslegen möchte und keinen Pilzsuch-Hintergrund hat, lautet die gängige Empfehlung, sich erstmal nur auf eine sehr kleine Auswahl von Pilzarten zu konzentrieren. Der Klassiker ist vielleicht die Kombination Steinpilz und Pfifferling. Beide einfach zu erlernen, und beide ausgezeichnete Pfannenpilze. Hier oben kommt noch der Trompetenpffierling (Trattkantarell) hinzu – ein ausgezeichneter Speisepilz und vor allen Dingen im Herbst zu finden, wenn es mit den anderen genannten Arten schon schwieriger wird.
Ich selber bin weit davon entfernt, ein passionierter Pilzsammler sein der zig Arten sicher bestimmt. Hier aber einige Tipps, die ich geben kann.
- Möglichst viel Regen gefolgt von warmen, sonnigen Tagen ist topp
- Kieferwälder sind schlecht
- Lichte Fichtenwälder sind gut. Insbesondere feuchtere Ecken, wie zum Beipiel Sänken im Gelände, gerne moosig. Etwas Sonnenlicht ist wichtig, allzu schattig sollte es nicht sein
- Pfifferlinge lieben, warum auch immer, Strukturen rund um Wege. Hier stehen sie sehr gerne in den Böschungen
- Steinpilze stehen häufig im Verband mit Fliegenpilzen
- Trompetenpfifferlinge können im Oktober und November massenhaft auftreten. Meiner Erfahrung nach vor allen Dingen in Fichtenwäldern, und hier gerne in feuchteren Ecken.

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